Es liest sich grauenhaft, z.B. im Jerusalemer Bibel-Lexikon: dass die Gekreuzigten vorher bis auf ́s Blut gefoltert wurden; dass man sie ans Kreuz band, selten nagelte wie bei Jesus Christus; das sie schmerzhaft und langsam starben, es dauerte 1-3 Tage; dass sie dabei Insekten und jedem Wetter und dem Spott ihrer Mitmenschen ausgesetzt waren.

Für die Juden galt ein von Heiden Gekreuzigter als verflucht. Ein gekreuzigter Messias war für sie ein Unding. „Das Wort vom Kreuz ist eine Torheit (Dummheit) für die, die verloren gehen“ erklärt Paulus in 1.Korinther 1,18. Jesu Tod am Kreuz werteten viele Juden als Beweis gegen seine Messianität. Darum riefen sie „Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selber und steig vom Kreuz herab“ (Matthäus 27,40).

Was viele denken: Die einen denken bis heute, dass er nicht wirklich Gottes Sohn war, und andere, auch unter den Christen, halten das körperliche, physische Leiden (Folter, Nägel, Ersticken am Kreuz) für Jesu Hauptproblem. Aber damit irren beide. Und nicht einmal der Spott der Menschen war für ihn das Schlimmste.


Und was wirklich geschah: Was Jesus zutiefst erschreckte, rief er selbst laut vom Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Das war es also. Nicht der biologische Tod, so schlimm die Kreuzigung auch war, sondern der theologische Tod waren seine größte Not dort am Kreuz. Als Märtyrer starben viele Christen grausam und haben es geschafft. Aber keiner ging stellvertretend für andere in die Gottesferne. Der Gottessohn – verlassen von seinem Vater und diesem „Tod der Gottesferne“ preisgegeben. Das war der Preis, den er für unsere Sünden zahlte (Jesaja 53, 4f; Römer 4,25; 1. Petrus 2,25).

Garten Gethsemaneh
Jesus im Totenreich.
Keine Staatstrauer.

Was viele denken: Jesus war nur einer von vielen, die am Schandpfahl starben. Die Römer hatten einen angeblichen Aufrührer beseitigt. Und auch die meisten Juden gingen ihrer Normalität nach, obwohl hier Unnormales geschah. Der zerrissene Vorhang im Tempel war dabei nur ein äußeres Zeichen für den inneren Riss zwischen Vater und Sohn.

Und die Jünger? Sie verkrochen sich. Stellten in Frage was sie mit Jesus erlebt hatten. Hatten Angst vor Verfolgung. Und wussten nicht wohin. Sie haben nicht wirklich geglaubt oder verstanden, was Jesus ihnen in seinen Abschiedsreden (Johannes 13-16) vorher gesagt hatte.

Und was wirklich geschah: Die Auferstehung selbst geschieht ohne Zeugen. Das machen Vater und Sohn alleine klar. Ich stelle es mir vor, wie sich Gott seinen Sohn aus dem Totenreich zurück holt. Manchmal denke ich dabei ganz menschlich bildlich; denn so wird uns Gott doch auch beschrieben: mit Sehnsucht, mit unendlicher Liebe, umrahmt von Freude im Himmel weil alle Engel jubeln. Und ich denke an Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lukas 15). Sollte Gott sich über seinen Jesus nicht mindestens so gefreut und ein Fest gefeiert haben?

Auferstehung also ohne Zeugen, ganz intim sozusagen. Aber dann haben ihn Hunderte gesehen; in 1. Korinther 15, 5-8 und an anderer Stellen werden viele Zeugen aufgeführt. So wie die Sonne morgens langsam aufgeht, setzen sich Osterbotschaft und Freude erst langsam durch. Das braucht Zeit. Zu gewaltig ist der Umbruch. Zu tief saß der Schock.

Ostern – kein Grund zu zweifeln mehr. „Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden“ (1. Korinther 15, 21f). das ist neu. Denn vor Jesus gab es keine Auferstehung der Toten. „Bis dahin ist und hat der Tod das letzte Wort über den Menschen, „weil sie alle gesündigt haben“ (Römer 5,12). Dementsprechend spricht das Alte Testament auch vom Ort der Toten als dem Ort, an dem es keine Verbindung mehr mit Gott gibt (Psalm 6,6; Jesaja 38,18 u.a.)“ (nach Jerusalemer Bibel-Lexikon).

Jetzt wird alles anders. Denn durch die Auferstehung des gekreuzigten Christus kommt Gott mit seinem Heilsplan zum Ziel. Und wieder freut er sich und sein ganzes himmlisches Reich und viele Menschen, die es miterleben, wenn heutzutage einer versteht und annimmt, was vor rund 2000 Jahren an Karfreitag und Ostern für die ganze Menschheit geschehen ist. Auf geht ́s!

Harald Petersen

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