Das war das Motto in den FeG Gemeinden im letzten Jahr. Nun erleben wir krasse Zeiten. Bis vor wenigen Tagen wäre das niemandem im Traum eingefallen.

In einigen unserer vorläufig letzten Gottesdienste lasen wir das 6. Kapitel des Epheserbriefes. Wir liessen uns inspirieren durch die Worte: „Werdet stark durch die Verbindung mit dem Herrn! Lasst euch stärken von seiner Kraft!“ (Vers10).

Was macht unseren Glauben stark? Die Verbindung mit dem Herrn.


Was macht unsere Verbindung mit dem Herrn stark? Es sind die Dinge, die auch zwischenmenschliche Beziehungen stark machen. Ganz vorne mit dabei: Ehrlichkeit. Gott sehnt sich nicht danach, dass wir funktionieren oder einfach nur gehorsam sind. Er sehnt sich danach, dass wir die ehrliche Begegnung mit ihm suchen. Wenn wir ihm alles bringen, was unser Leben gerade ausmacht, dazu gehören auch unsere Ängste und Sorgen, dann wächst Beziehung und wird krisenfest. Was starke Beziehungen ebenfalls ausmacht sind gemeinsame Erfahrungen. Erfahrungen schweissen zusammen. Das ist in unserem Glauben nicht anders. Manchmal lernen wir das auf die harte Tour, so wie Hiob. Erst gegen Ende eines äusserst schwierigen Prozesses vermag Hiob zu sagen: „Ich kannte dich ja nur vom Hörensagen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut.“ Hiob 42,5 Hörensagen macht nicht stark. Selberglauben macht stark. Dies war auch die Stärke der ersten Christen. Mit der Erfahrung an Ostern, Jesus lebt, gingen normale Menschen im Glauben vorwärts und nahmen die Welt ein für Jesus und sein Reich. Das ist heute nicht anders. Noch ein Drittes: Beziehung ist stark, indem ich konkret etwas für den anderen tue. Ich lasse ihn erfahren: Ich bin für dich da, ich helfe dir. Ich stehe zu dir, du kannst auf mich zählen. Was Jesus für mich getan hat und tut ist tragendes Fundament. Aber auch alles, was ich für ihn tue, macht stark. Starker Glaube ist weniger eine Sache des Kopfes als vielmehr der Hände und Füsse.

In den letzten Tagen habe ich mir eine Frage immer wieder gestellt: Was ist Gemeinde? Was bleibt übrig, wenn wir keine Gottesdienste mehr feiern, uns nicht mehr in Hauskreisen treffen, unsere Programme für Kinder, Jugendliche und Senioren und alles andere runterfahren? Ich ringe noch um eine Antwort. Für mich ist das zusätzlich anspruchsvoll, weil ich als Pastor mit meiner beruflichen Identität, meinem Rollenverständnis mit drin hänge. Manchmal wollte ich gegen die behördlichen Sanktionen rebellieren wie einige katholische Priester in Italien, deren Verständnis von Gemeinde es nicht zulässt, auch nur für begrenzte Zeit auf gottesdienstliche Versammlungen zu verzichten. Dann war ich frustriert, wie scheinbar selbstverständlich in unseren Breitengraden alles abgesagt wird. Vorsichtig formuliere ich: Gemeinde ist für mich, wenn der einzelne Christ durch seinen Glauben Wege findet zum anderen. Da ist Jesus mittendrin. Da ist „sein Leib“ lebendig. Dies geschieht augenblicklich in Familien, es geschieht digital, es geschieht, wenn zwei Freunde miteinander spazieren gehen, dabei austauschen und beten. Ich sehe meine Aufgabe in diesen Tagen darin, solche Wege zu gehen und andere darin zu ermutigen, ihre Wege zu gehen. Und ich will das alles nicht einfach abhaken, zur Tagesordnung übergehen, sobald von Behördenseite alles wieder freigegeben wird. Ich will dran bleiben, Gemeinde zu leben, nicht einseitig fokussiert auf organisierte Veranstaltungen. Und ich will in einem zunehmend autoritären Staatswesen klarer und mutiger ausloten, was es heisst, dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen (vgl. Apostelgeschichte 4,19 und 5,29).

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