Es gab mal eine Gemeinschaft von Gläubigen, die so völlig an Gott hingegeben waren, dass ihr gemeinsames Leben von der Kraft des Heiligen Geistes angetrieben wurde. In diesem Zusammenschluss von Nachfolgern Christi liebten die Gläubigen einander mit einer radikalen Liebe. Sie nahmen ihre Masken voreinander ab und teilten ihr Leben miteinander. Sie lachten und weinten und beteten und sangen und dienten miteinander in authentischer christlicher Gemeinschaft.
Diejenigen, die mehr gatten, teilten bereitwillig mit denen, die weniger hatten, bis soziale und wirtschaftliche Grenzen aufgehoben waren. Sie gingen mit einander so um, dass Gräben zwischen Geschlechtern und Rassen aufgehoben wurden, und sie freuten sich über ihre kulturellen Unterschiede. In {bib=Apg. 2} lesen wir, dass diese Gemeinschaft von Gläubigen, diese Kirche, den Nichtgläubigen eine Vision vom Leben anbot, die so wunderschön war, dass ihnen der Atem stockte. Sie war so stark, so kreativ, so dynamisch, dass sie ihr nicht widerstehen konnten. In Vers 47 erfahren wir, dass „Der Herr täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu[fügte], die gerettet werden sollten.
1

Was wäre, wenn wir heute diese echte Gemeinschaft Gottes erleben würden? Was wäre, wenn das, was in Jerusalem geschah auch heute in unserem Lahn-Dill-Kreis geschehen würde? Eine Bewegung, die die ganze Welt verändert.

Nach welchen Kriterien oder Werten kann so eine Gemeinschaft bestehen? Was trägt sie? Was motiviert sie?

1. Spiritualität / Geistlichkeit

Gott sucht die Gemeinschaft mit dem Menschen seit je her. Die ersten Worte, die er zum Menschen nach dem Sündenfall sagte: „Mensch (Adam), wo bist du?“ ({bib=1. Mo. 3,9}). Daran hat sich nichts geändert, auch heute geht er dir nach und fragt: „Mensch wo bist du?

2. Ganzheitlichkeit – Mit Leib und Seele

{bib=Off. 3,15}: „Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest!“ Eine Gefahr, die jeden von uns angeht. Es geht um die ganzheitliche Beziehung, nicht nur am Sonntag oder wenn ich ein Gemeindemitglied sehe. Sondern auch dann, wenn kein einziger Mensch mich sehen kann. Es geht um die Einstellung des Herzens.

3. Beziehungsfähigkeit

Grundkennzeichen für eine geistliche Krankheit im biblischen Verständnis ist die Isolation, der völlige Beziehungsabbruch. So ist der Mensch, der Gott nicht mehr lobt, aus biblischer Perspektive sogar schon tot.
Kennzeichen für Gesundheit ist deshalb entgegen allen Isolationstendenzen die Beziehungsfähigkeit. Vgl. dazu die Geschichte „Heilung des Geraseners“ (Vergleiche {bib=Mk. 5,2-5} mit {bib=Mk. 5,15}).

4. Demut

Demut ist das Gegenteil von Hochmut. Nicht fordern, sondern bitten. Warum? Weil Gott mein Herr ist. Ich ordne mich ihm unter und habe den Mut, meine Stellung als Diener zu akzeptieren. {bib=Jak. 4,5-6}: „Oder meint ihr, die Schrift sage umsonst: Mit Eifer wacht Gott über den Geist, den er in uns hat wohnen lassen, und gibt umso reichlicher Gnade? Darum heißt es (Sprüche 3,34): „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
Folge – {bib=Jak. 4,10} „Demütigt euch vor dem Herrn, so wird er euch erhöhen.

5. Ehrlichkeit

Ehrlichkeit meint nicht nur die Wahrheit erzählen, sondern auch die Wahrheit leben. Was meine ich damit? Es ist die Bereitschaft, offen über das eigene Verhalten und Empfinden Auskunft zu geben, ohne den anderen zu beleidigen. Ohne die notwendige Offenheit kann keine Gruppe bestehen. Wenn sich Menschen in der Gemeinschaft offen einbringen, regt das in der Regel ganz von allein spontane Reaktionen der anderen an. Durch Beobachtung und offenen Austausch betrachte ich verstärkt auch mein eigenes Verhalten, welches ich letztendlich korrigieren kann.

6. Gelassenheit

Es geht um eine vertiefte Hingabe an den gnädigen Gott, der mit seiner heilsamen Gnade in innerste Lebensbereiche einzieht. Es geht um die willentliche Entscheidung, Gott mit seinen Möglichkeiten an sich arbeiten zu lassen. Es gilt, die Weisheit für die Unterscheidung zu bekommen, wo Gottes Wirken oder wo menschlicher Einsatz angemessen ist.

  • Ich darf die alte Ich-Kontrolle aufgeben und Gott an die Stelle setzen und ihn handeln lassen.
  • Ich darf die Ich-Einsamkeit aufgeben und Hilfe durch Menschen oder Gott zulassen.
  • Ich darf den egozentrischen Willen des Selbstschutzes aufgeben und Gottes Willen für mich und in meinem Leben zulassen.

Gelassenheitsgebet:
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Wenn du es jetzt gelesen und für gut gefunden hast, so ermutige ich dich zur folgenden Handlung: Überprüfe dein Leben, ob du nach diesen Wertmaßstäben lebst (Jede Woche einen anderen Wert).

Gott segne dich dabei.

Harri Metzger

1 Bill Hybels, Mutig führen, Navigationshilfen für Leiter, Gerth Medien, 2002, S. 19

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Unsere Datenschutzerklärung
Ok