Seit Jahresbeginn haben wir uns im Gemeindebrief mit Geistlichem Wachstum beschäftigt. Es ging um Wurzeln und um Frucht, um klein oder groß sein und um Wachstumsschmerzen. Stellt sich nicht fast automatisch die Frage, was wir davon haben, ob es einen entsprechenden Lohn gibt, einen garantierten Mindestlohn für Fleiß und Treue sozusagen?

Kein Leistungsevangelium
Merken wir uns bitte eines: Nicht unsere Frucht entscheidet, sondern unsere Entscheidung fruchtet! Das ist ein großer Unterschied. Wer sich nicht für ein Leben mit Jesus Christus entschieden hat, kann sich abmühen, um Frucht zu bringen. Er wird aber immer nur Bruchstückhaftes und Vergängliches hinbekommen. Selbstgemachtes, sozusagen. In Einmachgläsern kommt das gut an, im Himmel gar nicht.

So viele Pastoren auf einmal, das ist ja nicht auszuhalten

Ein flotter Spruch am Rande der diesjährigen Theologischen Woche in Ewersbach.

Doch, es ist auszuhalten. Aber es ist schon etwas Besonderes. Der Gesang hat ́s in sich. Überall wird diskutiert. Oder man sieht die Geistlichen mit ihrem Handy auf der Suche nach wenigstens ein bisschen Netzverbindung rumlaufen. Oder man sieht sie im Gebet, um die andere Verbindung „nach oben“ zu nutzen.

Und immer wieder hört man die Frage „wie war noch mal dein Name – und wo bist du jetzt“? Es gab Zeiten, da kannte man (Mann, heute auch Frau) sich in der Pastorenschaft, denn sie war überschaubarer. Ich empfinde es als kleinen Nachteil unseres wachsenden Bundes.

Im Frühjahr wird seit gefühlten Ewigkeiten mit den Dienstjubilaren gefeiert – vor allem aber „richtig“ theologisch gearbeitet. Professoren und Doktoren zeigen, dass Sie ihre Titel zu Recht erworben haben und hängen schon mal den einen oder anderen Bruder oder auch ́´ne Schwester ab.

„Mission heute – Begründung und Gestaltung“, so lautete im April unser Thema in den einladenden Räumen des Kronbergforums. „Mission in einer globalisierten Welt“; „Mission und Trinität“; „Beauftragt mit dem Dienst der Versöhnung“; „Lausanner Bewegung im Spannungsfeld ....“ um nur einige konkrete Beiträge zu nennen.

Bonsaibäumchen sehen alt aus, haben 30, 50 oder 80 Jahre auf dem Buckel, sind aber nicht größer als eine 2 jährige Fichte. Sie haben an Jahren zugelegt, aber nicht ihrem Alter entsprechend an Größe.

Und der Mammutbaum? Wie der Name schon sagt wird er groß, sehr groß sogar und hat irgendwann einen dicken Stamm, der ihm den nötigen Halt gibt. Den bläst so schnell kein Sturm um.

Diese Baumtypen stehen für zwei Möglichkeiten des geistlichen Wachstums. Nimmt unser Leben mit Gott an Reife zu oder bloß an Jahren? Bonsais sind ein Beispiel dafür, dass man älter werden kann, ohne wirklich zu wachsen. Bonsais wurden so gepflegt, dass sie aussehen, als hätten sie das Stadium der Reife erreicht. – Ok, der Fachmann wird sagen, dass sie „richtige“ Bäume sind, nur klein. Klein und anfällig – wehe da reibt sich eine Wildsau dran. Schatten bieten sie uns auch nicht. Also: nur Zierde, viel mehr nicht.Mammut oder Bonsai

Was ist geistliches Wachstum?
Zunächst seien 6 Mythen, Irrtümer, über geistliches Wachstum genannt:
• Es geschieht automatisch
• Es ist freiwillig
• Es zeigt sich an der Bibelkenntnis
• Es funktioniert für alle gleich
• Es ist einfach
• Es ist unmöglich

Neid auf volle Stadien?
Früher habe ich öfter davon geträumt, dass wir in Deutschland bei christlichen Veranstaltungen auch große Stadien füllen. Und zwar nicht nur alle paar Jahre mal beim Gemeindetag o.ä. (und selbst dann sind sie meist nicht voll), sondern Woche für Woche. Wie in der Bundesliga-Saison. Dort ist nicht nur ein Stadion gut besucht, sondern 40000 hier, 70000 dort ...

Heute frage ich nach dem Unterschied zwischen der Fussballbegeisterung und dem Wirken des Heiligen Geistes, über den es natürlich viel mehr zu sagen gibt; die sogenannte Pneumatologie (Lehre vom Heiligen Geist) füllt dicke Bücher. Ich riskiere hier mal einige, unvollständige Gedanken zu Unterschieden und höre gern, was unseren Gemeindebrieflesern dazu einfällt.
• Beim Fussball regiert vielfach das Geld. Zu Pfingsten – und nicht nur da – regiert Gottes Geist.
• Beim Fussball wird von Menschen gemachte Stimmung erlebt. Pfingsten wird deutlich: ER lebt!

Wachstum? Da fällt mir noch etwas aus meiner Gartenarbeit ein:
Wenn Giersch predigt...

Giersch ist kein Gastpastor auf unserer Kanzel. Aber was dann? Manche schauen einen mitleidig und hoffnungslos an, wenn man ihnen erzählt, dass im Garten Giersch, wegen seines Aussehens auch Geißfuß genannt, wächst. „Viel Mühe“ prophezeien die Fachleute im Internet und dass nicht einmal die chemische Keule, also extremes Pflanzengift, gegen dieses Kraut hilft. Aber essen soll man ́s können.

Giersch

 

 

 

 


Also habe ich mich dran gemacht und gebuddelt, geschwitzt und gestöhnt. Dabei hat Gott mir durch das Unkraut Anschauungsunterricht gegeben. Ich habe photographiert, wie seine Predigthilfe, „mein“ Giersch, wächst und sich verbreitet:
•Giersch hat Wurzeln, die etwa 40 cm tief in den Boden gehen und die Pflanze ernähren.
•Giersch bildet, ebenfalls über Wurzelstränge, Seitentriebe, aus denen sich neue Pflanzen entwickeln, sogenannte Ableger.
•Zusätzlich blüht die Pflanze und bildet Samen, die dann auf dem üblichen Weg per Wind oder durch Tiere ins Umland verstreut werden. Doppelte Sicherheit also; kein Wunder, dass der Giersch nicht vereinzelt auftritt, sondern großflächig wie ein Bodendecker den Gärtner „erfreut“.

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