Kaum mehr als 2 Teelöffel sind drin, in einem Fruchtzwerg (Mini-Joghurt). Und das wenige, was drin ist, ist auch nicht nur Frucht, wie ein Blick auf die Inhaltsstoffe zeigt. Natürlich, ein bisschen Frucht – oder zumindest Fruchtaroma - ist enthalten. Also schmeckt der "Zwerg" z.B. nach Apfel oder Birne. Und nicht jeder Esser muss erst aufs Etikett schauen, um die Frucht zu erkennen und damit auch den Baum, an dem sie hing.

 "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen" (Mt 7, 16) – Jesus Christus sagt das zwar im Bezug auf falsche Propheten, also Irrlehrer. Trotzdem kann es nicht schaden, wenn wir uns auch selbst fragen, welche Frucht wir bringen. Im Gleichnis vom Weinstock und den Reben (Joh 15, 1 ff) ist die Rede von unserer Frucht. Und das man "an den Früchten den Baum erkennen kann" (Mt 12,33), konkretisiert unser Herr im Bezug auf  die Liebe und sagt seinen Jüngern: "Daran, dass ihr  Liebe  zueinander habt, wird  jeder  erkennen, dass ihr meine Jünger seid" (Joh 13,35).

Liebe der Christen untereinander ist prima. Aber sind wir Fruchtzwerge, weil wir nur die lieben, die wir ohnehin mögen? Lieben wir nur andere Christen? Wenn ja, sind wir ein Zwerg, denn nur die lieben, zu denen die Chemie stimmt, das kann jeder, auch ohne Gott. So jedenfalls sagt es Jesus in Mt 5, 43-48. Und, seien wir ehrlich, mit der Liebe untereinander ist es manchmal auch nicht so toll.

 

Es gab mal eine Gemeinschaft von Gläubigen, die so völlig an Gott hingegeben waren, dass ihr gemeinsames Leben von der Kraft des Heiligen Geistes angetrieben wurde. In diesem Zusammenschluss von Nachfolgern Christi liebten die Gläubigen einander mit einer radikalen Liebe. Sie nahmen ihre Masken voreinander ab und teilten ihr Leben miteinander. Sie lachten und weinten und beteten und sangen und dienten miteinander in authentischer christlicher Gemeinschaft.
Diejenigen, die mehr gatten, teilten bereitwillig mit denen, die weniger hatten, bis soziale und wirtschaftliche Grenzen aufgehoben waren. Sie gingen mit einander so um, dass Gräben zwischen Geschlechtern und Rassen aufgehoben wurden, und sie freuten sich über ihre kulturellen Unterschiede. In {bib=Apg. 2} lesen wir, dass diese Gemeinschaft von Gläubigen, diese Kirche, den Nichtgläubigen eine Vision vom Leben anbot, die so wunderschön war, dass ihnen der Atem stockte. Sie war so stark, so kreativ, so dynamisch, dass sie ihr nicht widerstehen konnten. In Vers 47 erfahren wir, dass „Der Herr täglich ihrer Gemeinschaft die hinzu[fügte], die gerettet werden sollten.
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Was wäre, wenn wir heute diese echte Gemeinschaft Gottes erleben würden? Was wäre, wenn das, was in Jerusalem geschah auch heute in unserem Lahn-Dill-Kreis geschehen würde? Eine Bewegung, die die ganze Welt verändert.

Nach welchen Kriterien oder Werten kann so eine Gemeinschaft bestehen? Was trägt sie? Was motiviert sie?

Im Herbst 2013 fällte ich eine Tanne hinter unserem Haus. Sie hatte sich vor Jahren ohne unser Zutun an einem Hang eingesät. Wir haben sie wachsen lassen, aber nun wurde sie dort zu groß. Beim Ausgraben der Wurzel staunte ich nicht schlecht, denn die Haupt- bzw. Pfahlwurzel hatte sich nicht üblicher- weise senkrecht in den Boden gebohrt um Halt zu finden, sondern nach hinten unter das Rasenstück und einen Holz- balken.
Dort fand sie größere Festigkeit als am aufgeschütteten Hang und hielt darum Wind und Wetter stand. Sie fand dort aber nicht nur Halt, sondern auch Wasser, das am Hang viel schneller ab- lief bzw. verdunstete als unter der Wiese. Wachstum braucht Wurzeln. Die Tanne weiß das :o) - wir auch?

Wenn Jesus in Johannes 15 davon spricht, dass er der Weinstock und wir die Reben sind, dann passt der Ver- gleich mit unserer Tanne nicht ganz, denn der Weinstock hat die Wurzeln, nicht die Reben (die der Laie wohl eher als Zweige bezeichnen würde). Es sind die Triebe, die sich mit kleinen hellgrünen „Lianen“ an allem festhalten, was ihnen Halt bietet. Und die Nährstoffe werden über den Weinstock aus dem Boden geholt.
Aber als Weinstock wird später nicht nur das kleine Wurzelstück am Boden bezeichnet, sondern ein Stamm mit einigen Haupttrieben. Man hat den Weinstock so „gezogen“, also in Form gebracht. Danach werden jährlich die langen „Zweige“ bis dorthin gekürzt. Ein schönes Bild dafür, wie Christus und wir ineinander verwachsen. „Wer in mir bleibt und ich in ihm ...“ (15,5). Jesus beginnt aber in Vers 1 nicht von sich und uns zu erzählen, sondern von sich und seinem Vater als dem Weingärtner. Der „formt“ den Weinstock.

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