In meiner Predigtserie zum Brief an die Epheser komme ich bald mal zu Epheser 5,1-2: „Folgt nun dem Beispiel Gottes als geliebte Kinder, und führt euer Leben in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat ...“

Das ist eine ziemlich krasse Ansage, „dem Beispiel Gottes folgen“ ... Da sind die folgenden Worte „als geliebte Kinder “ nicht nur notwendiger Zusatz, sondern zentraler Gedanke an dieser Stelle: Ich bin ein geliebtes Kind. Gottes Haltung mir gegenüber ist klar, unmissverständlich. Ich bin geliebt. Gottes Herz sehnt sich nach nichts mehr als nach einer reifen und liebevollen Vertrauensbeziehung zu mir. Bei ihm bin ich immer willkommen, erwartet. Ja, er wartet. Er wartet auf mich. Es gibt vermutlich kein anderes Wort von Jesus, mit dem er dies so ergreifend darstellt wie in dem Gleichnis von dem Vater und seinen beiden Söhnen. Da kommt der Jüngere der beiden nach Hause zurück auf den Hof des Vaters. Er hat alles verloren, auch der letzte Rest Selbstachtung wurde den Schweinen geopfert. Es ist vermutlich reiner Überlebenswille, der ihn zurück auf den Hof des Vaters treibt. Jesus erzählt diesen Augenblick so (Lukas 15,20):
„Er war noch weit weg, da sah ihn sein Vater schon und fühlte Mitleid, und er eilte ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“

Dem Beispiel Gottes folgen bedeutet: Ich bin so jemand, jemand wie der Vater in der Geschichte, der hinausgeht und willkommen heißt. Bei mir kann man ankommen. Ich tue das Unerwartete. Ich bin nicht nur freundlich, wenn es mir gelegen kommt, nehme nicht nur in die Arme, wenn es sich gut anfühlt, küsse nicht nur zur Belohnung oder aus Dankbarkeit. Nein, ich gebe dem Verlorenen ein Zuhause. So folge ich dem Beispiel Gottes und werde wie der Vater in dem Gleichnis von Jesus. Ich folge dem Wort von Jesus (Lukas 6,36): „Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“ Der Vater in dem Gleichnis geht noch ein zweites Mal nach draußen. Da ist ja noch sein Erstgeborener, verschlossen, gefangen in Groll und Bitterkeit (Lukas 15,28): „Sein Vater aber kam heraus und redete ihm zu.“ Wieder ist es der Vater, der den ersten Schritt macht. Alles was er tut, unterstreicht: Du bist willkommen. Wir brauchen mehr solche Menschen, die so werden wie der Vater, bei denen man ankommen kann.

 

Frank Kepper

 

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Unsere Datenschutzerklärung
Ok